Bericht vom Qualifikationsturnier in Lichtenrade

 

 

Das Osterwochenende wird normalerweise genutzt, um Ostereier zu suchen. Drei Unerschrockene des SKT wählten aber den Weg in das Gemeinschaftshaus nach Lichtenrade, um dort an dem Qualifikationsturnier teilzunehmen. Nebenbei bemerkt ist dies außerdem der Veranstaltungsort des diesjährigen T-Cups, sodass der Vorstand gleichzeitig Ideen für das eigene Turnier sammeln konnte. 

 

So ein Turnier bietet immer die Möglichkeit sich mit Spielern anderer Vereine zu unterhalten. So hat der Vorstand die Gunst der Stunde genutzt, um mit dem wiedergewählten Vorsitzenden des Berliner Schachverbandes Carsten Schmidt ein Gespräch über zukünftige gemeinsame Projekte zu führen. Das T-Shirt vom unserem Tandem-Turnier gefällt ihm übrigens heute noch.

 

Doch nun zum Turnier: 139 Teilnehmer mit einer durchschnittlichen DWZ von ca. 1600 hatten gemeldet. Ein schwerer Stand für unsere drei SKT’ler. Constantin Fontaine auf Platz 114 gesetzt, sagte nach seinem Ziel befragt mit gewohnter Zurückhaltung: „Ich habe kein Ziel“. Unter uns gesagt: „Eine Position im Mittelfeld kann er schaffen, dass Zeug hat er jedenfalls dazu“. Den 125. Platz hat Banchaa Zimdahl inne. „Für mich ist er erster Anwärter auf den Titel des besten 1.300er“. Ich selbst muss mich mit Platz 136 zu Frieden geben. Aber so ist es halt, wenn man nicht in der Lage ist zu gewinnen, hat man eine bessere Platzierung auch nicht  verdient. Aber wer es nicht versucht, der kann auch nie besser werden.

 

1. Runde

Die erste Runde sollte erwartungsgemäß schwere Gegner für uns bereit halten. Constantin hatte sicherlich den schwersten „Brocken“. Sein Gegner hat eine DWZ von 1764. Wie stark sein Gegner war, zeigte sich bereits nach ca. 30 Minuten. Da musste Constantin der Übermacht des mit den weißen Figuren agierenden Gegners Tribut zollen. Meine Gegnerin Cecilia Lange (weiß) war, bei der gleichzeitig stattfindenden Frauen-Wertung, auf Platz 2 bei den Damen gesetzt, so dass ich (schwarz) das Glück hatte das Turnier am 12. Brett zu beginnen. Dadurch musste die Notifikation mit Durchschlag vorgenommen werden. Dafür ist das Spiel aber im Internet zu finden.

 

1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 e6 4. Le3 d6 5. Sc3 Sf6 6. Le2 Ld7 7. O-O a6 8. a4 b6 9. Dd2 Db8 10. Tad1 Dc7 11. Tfe1 Sd8 12. dxc5 bxc5 13. Lf4 Sb7 14. e5 dxe5 15. Sxe5 Ld6 16. Lf3 Tb8 17. Lxb7 Txb7 18. Dxd6 Dxd6 19. Txd6 Ke7 20. Sxd7 Sxd7 21. Txa6 Td8 22. b3 Sb6 23. a5 Sd5 24. Sxd5+ Txd5 25. Tc6 Tbd7 26. Tc7 Kf6 27. Txd7 Txd7 28. a6 Ta7 29. Ta1 e5 30. Le3 Ke6 31. Lxc5 Ta8 32. a7 Kd7 33. Kf1 Kc7 34. Ke2 Kb7 35. b4 Kc6 36. Kd3 Kb5 37. Ta5+ Kc6 38. Kc4 f5 39. Tb5 Kc7 40. Tb8 Txb8 41. axb8=D+ Kxb8 42. Ld6+ Kb7 43. Kc5 e4 44. h4 h5 45. b5 g6 46. Kb4 Kc8 47. c4 Kd7 48. Lf4 Ke6 49. b6 e3 50. fxe3 1-0

 

Nach ca. 3 Stunden war ich mit meinem Latein am Ende. War aber glücklich so lange durchgehalten zu haben. Als ich ging, war Banchaa noch mit den weißen Figuren aktiv. Leider musste auch er sich seinem Gegner (1707) geschlagen geben.

 

2. Runde

Die zweite Runde verhieß leichtere Gegner. Mein Gegenüber war ein alter Bekannter, hatten wie doch schon zweimal die „Klingen gekreuzt“ und stand es doch 1 : 1. Meine Hoffnung mich mit den weißen Figuren gut aus der Affäre zu ziehen, misslang gründlich. Schon zu Beginn der Partie wurde mir klar, dass ich wer keine ordentliche Notifikation zu Stande bringt, hat es auch nicht verdient zu gewinnen. Hinzu kam noch, dass ich nicht auf meine Königssicherheit geachtet hatte. Strafe muss sein…..

Constantin hat mehr überzeugt, dennoch musste er nach hartem Kampf sich seinem Gegner geschlagen geben. Am besten hielt sich jedoch Banchaa schaffte er es doch seinem immerhin 450 Punkte besseren Gegner ein Remis abzuringen.

 

3. Runde

Der Erfolg von Banchaa in der 2. Runde führte dazu, dass Banchaa die dritte Runde am 15. Brett spielen durfte und somit die Partie vom Berliner Schachverband veröffentlicht wurde.

1. e4 g6 2. d4 Lg7 3. Sf3 c6 4. g3 d5 5. e5 Lg4 6. Lg2 Sh6 7. O-O O-O 8. Sbd2 f6 9. exf6 exf6 10. Te1 Sa6 11. c3 Dd7 12. Sf1 Tae8 13. Le3 Te7 14. Dd2 Sf5 15. Lf4 Tfe8 16. Se3 Lxf3 17. Lxf3 g5 18. Lg4 gxf4 19. Lxf5 fxe3 20. Lxd7 exd2 0-1

Leider verlor Banchaa (weiß) die Partie gegen eine sehr starke Gegnerin (1589). Constantin konnte überzeugen, gelang ihm doch ein überzeugender Sieg, somit errang er seinen ersten Punkt. Auch ich konnte meinen ersten Punkt erringen, allerdings nur weil ich ein Freilos hatte. Dies ist die Bestrafung für eine schlechte DWZ….. Aber jeder erhält nur das was er verdient. Aber irgendwann muss es ja einmal klappen…….

 

4. Runde


In der vierten Runde zeigte Banchaa einmal mehr sein Talent. Gelang es ihm doch nach einer langen Partie gegen einen sehr starken Gegner (1501) ein Remis zu erstreiten. Mein Gegner war vom gleichen Kaliber. Gegen meinen 1512er passierte lange Zeit nichts in der Partie. Nach einiger Zeit gab es dann den großen Schlagabtausch bei dem ich zwar 2 Bauern mehr aber einen Läufer weniger hatte. Meine Hoffnung mit dieser einen Mehrfigur noch einen Vorteil zu haben, dauerte noch ca. 30 Minuten. Nachdem unsere Schwerfiguren sich in Position gebracht hatten, gab es den nächsten Schlagabtausch. Die „Elefanten“ und die „Prinzessinnen“ wurden gegenseitig vom Brett genommen. Was übrig blieb war ein Springer und meine beiden Mehrbauern. Mein Gegner hatte jedoch noch seine beiden Läufer. Damit war mein Schicksal besiegelt.

Constantin musste sich in der 4. Runde mit dem stärksten Gegner von uns Dreien auseinandersetzen. 1588 war seine DWZ, trotz hartem Kampf = Zero Points.

 

5. Runde


Die fünfte Runde führte Banchaa den gleichen Gegner den ich in der zweiten Runde hatte an das Brett. Ich drückte Banchaa diesmal besonders die Daumen, aber wahrscheinlich habe ich zu wenig gedrückt. Auch ihm gelang kein Sieg, aber wir haben ja noch Constantin im Köcher. Constantin hatte es mit einem Jugendlichen zu tun. Hier ist Vorsicht geboten. Aber Constantin ließ sich nicht überlisten und gewann souverän. Meine Wenigkeit schien mehr Glück zu haben, hatte mein Gegner doch nur eine DWZ in Höhe von 1363. Nach meiner Einschätzung standen meine Figuren auch nicht allzu schlecht. Ich versuchte am Damenflügel mit meinen a- und B-Bauern einen Angriff von der 4. Reihe aus zu starten. Unsere Damen standen sich gesichert am Königsflügel gegenüber.  Durch einen guten Springerzug von ihm wurde mein c-Bauer durch seinen Läufer und seinen Springer angriffen, aber nur von meinem Springer gedeckt. Ich erwartete nur, dass er mit seinem Läufer oder seinem Pferd meinen Bauern attackiert. Er zog aber mit dem 17. Zug seinen Läufer nur auf das Feld e7 und schlug nicht. Glück gehabt, dachte ich und sicherte meine Bauern durch einen weiteren Bauern ab. Auch andere machen Fehler, so interpretierte ich. Bis zum 21. Zug jedenfalls. Dann nämlich zog der mit seinem Läufer auf das Feld h4 und um meine Dame und damit um meine gesamte Deckung war es geschehen.

Aus 0 : 1.

 

6. Runde


Als wir drei SKT’ler vor Beginn des Spieltages die Wunden der Vergangenheit geleckt haben. Kam Argun Vural, er hatte vorher Banchaa und mich besiegt, von den Schachfreunden Friedrichshagen auf uns zu und sagte mit freundlicher und scherzhafter Stimme: „Kann ich noch einen vom SKT haben.“ Ein andere Turnierspieler stimmte mit ein (der Name ist dem Autor bekannt): „Ich will auch einen!“ Das es nicht so einfach ist einen SKT’ler zu besiegen, haben zumindest Banchaa und Constantin gezeigt. Constantin besiegte in einem langen und intensiven Match einen Remis-Gegner von Banchaa. Banchaa seinerseits ließ sich auch nicht zweimal bitten. Schlug er doch einen Siebenjährigen überzeugend. Ich saß ihm schräg gegenüber und bewundere ihn mit welcher Ruhe, Sicherheit und Konzentration er zu Werke geht. Über mich gibt es leider nur einen Pyrrhussieg zu vermelden. Mein Plan war gut. Zu mindestens auf den ersten Blick. Ich hätte vor der Umsetzung meiner Taktik rochieren sollen. So konnte ich meinen zweiten Turm nicht ins Feld schicken. Als er zum Einsatz kam war es schon zu spät.

Übrigens: Ein Pyrrhussieg (ein Sieg, der einen zu teuer erkauften Erfolg darstellt) geht auf den König Pyrrhos I. (319/318 – 272 v. Chr.) zurück. Er soll nach einem Sieg über die Römer zu einem Vertrauten gesagt haben: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“

 

7. Runde


Der siebente Spieltag sollte für mich in einem Desaster enden. Wer die gegnerische Dame angreift und dabei übersieht, dass ein Turm nicht gedeckt ist, der hat es auch verdient zu verlieren. Banchaa war einen halben Punkt besser. Konnte er doch gegen einen formal um 200 Punkte besseren Gegner ein Remis mit Weiß herausholen. Leider wiederum einen halben Punkt schlechter war Constantin. Hatte er es doch mit einem um 300 Punkte stärkeren Gegner und dies auch noch mit den schwarzen Steinen zu tun. 

 

8. Runde


Mein Spiel in der achten Runde war nach dem Bock vom Vortag geprägt von Furcht und wenig Selbstvertrauen. Nur keinen Fehler machen ja nicht in eine Falle tappen oder etwas Ähnliches. Es endete so, wie zu erwarten war. Das Ergebnis war ein Remis in einem langweiligen und statischen Spiel. Banchaa hatte zwar das gleiche Ergebnis, doch spielte er wieder überzeugend und holte den halben Punkt. Inzwischen hat er sich so immerhin 3 Punkte erkämpft. Damit hat er die Chance bester 1300er (Sonderwertung) zu werden. Constantin hat nach der heutigen Runde ebenfalls 3 Punkte, denn heute gelang es ihm nicht, einen weiteren Punkt herauszuholen. 

 

9. Runde


Für Banchaa ging es in der letzten Runde um die Chance die 1300er Klasse zu gewinnen. Dazu musste ein Sieg her. Dieses Vorhaben misslang leider, war doch ein Remis zu wenig. Dennoch reichte es für den zweiten Platz, ein toller Erfolg. Constantin führte am 50. Brett die schwarzen Steine. Leider war auch ihm kein Sieg vergönnt. Mein Los führte mich an das 66. Brett mit den schwarzen Steinen. Mein Gegner war Stefan Lippianowski. Vielen von euch ist er sicherlich bekannt. Er ist behindert sitzt im Rollstuhl und benötigt einen Betreuer zur Unterstützung. Ich habe großen Respekt vor Stefan, ist er doch bei vielen Turnieren dabei und kämpft um die Punkte am Brett. Ich war einigermaßen optimistisch was mein Ergebnis anbelangt, hatte ich doch bereits zweimal gegen ihn gespielt und lag mit 1,5 : 0,5 vorne. Das Studium der alten Partien erwies sich jedoch als Sackgasse, denn bei den beiden Partien hatte ich weiß. Diesmal jedoch schwarz. Er eröffnete mit e4, worauf ich mit c5 antwortete. Er wiederum entwickelte seinen Läufer mit c4. Ich reagierte mit Sf6. Daraufhin kam sein Springer mit c3. Danach folgte ein e6 meinerseits. Er überraschte mich mit einem aggressiven e4 – e5. Damit hatte ich nicht gerechnet. Was sollte ich entgegnen? Ich entschloss mich, meinen Springer wieder auf seine Ausgangsposition zurückzuziehen. Tempoverlust, mir schwante Schlimmes. Er drückte weiter auf das Tempo. Dennoch konnte ich mich langsam entwickeln, sodass ich zumindest eine Bauernmauer auf dem 6. Reihe mit meinen c bis f-Bauern erreichen konnte. In diesem Augenblick fiel mir Adrian Sitte ein. Er spielt häufig auch mit einer Bauernmauer, nur hat er im Unterschied zu mir eher eine Zickzack-Mauer. (PS: Hallo Adrian, ich hoffe, dass Du bald wieder voll am Klubleben teilnehmen kannst). Mein Plan war es nun, meine Zentrumsbauern zu entwickeln und so langsam einen Gegenangriff zu starten. Dies gelang mir auch ganz gut, denn im Verlauf konnte einen meinen Bauern gegen einen weißen Läufer von ihm eintauschen. Er setzte jedoch immer wieder Nadelstiche, indem er mit seinem Springer versuchte meine Bauernphalanx zu erschüttern. Er bot mir seinen Springer sogar als Opfer an. Wenn ich das Opfer angenommen hätte, hätte er mit seiner Dame dicht vor meinem König gestanden, unangenehm. Inzwischen hatte ich meinen Turm auf b8 verbracht. Bis auf seinen b-Bauern auf b2 war diese Linie aber frei. Er sicherte diesen Bauern mit seiner Dame auf c3 ab. Hier war also kein Durchkommen. Aber die Linie gehörte erst einmal mir. Inzwischen hatte meine Bauern die geplante Zickzack-Formation erreicht, sodass ich meinen schwarzfeldrigen Läufer endlich aktivieren und ihn durch meine Mauer laufen lassen konnte. Beim schönen Grillwetter erinnerte ich mich an den Schachspieß, denn hinter der Dame auf c3 stand sein König noch auf e1. So entstand die Idee meinen Läufer, durch meinen Turm gedeckt, auf b4 zu platzieren. Er gab auf. Trotz des Sieges wollte jedoch keine große Freude aufkommen.

 

Fazit:

Das diesjährige Qualifikationsturnier war wieder ein tolles Turnier. Wir drei hatten viel Spaß, auch abseits der Bretter. Es ist toll, sich mit Klubkameraden auszutauschen und zu plaudern. Hinzu kam noch, dass wir unser Ziel, gemeinsam neun Punkte zu erreichen (Banchaa 3,5; Constantin 3; Reno 2,5), realisieren konnten. Wir werden nächstes Jahr wieder dabei sein. Ihr hoffentlich auch.